Friedrich Wilhelm von Steuben

Friedrich Wilhelm von Steuben

geboren am:

17. September 1730

in:

Magdeburg

 

 

gestorben am:

28. November 1794

in:

New-York

 

 

Bemerkung:

Militär - Reformer der amerikanischen Streitkräfte


Von Steuben wurde durch seinem Vater, einem preußischem Offizier, schon früh mit dem militärischen Leben konfrontiert - unter anderem in Kronstadt, St. Petersburg, Riga und Breslau. Schon in jungen Jahren äußert er den Wunsch, ebenfalls die Offizierslaufbahn einzuschlagen.

Kaum 14 Jahre alt, zieht er als Freiwilliger mit seinem Vater in den Zweiten Schlesischen Krieg, nimmt an der Belagerung von Prag teil.

1746 tritt er als Fahnenjunker in das preußische Infanterie-Regiment von Lestwitz ein. Eine Militärschule, die den jungen Steuben entscheidend prägt: Das Regiment von Lestwitz gilt als strenge Schule der Manneszucht, sein Offizierkorps damals als das bestgeformte der Welt. In der Garnison Breslau besucht er nebenbei Vorlesungen an der dortigen Universität.

Am 3. Mai 1749 wird er zum Fähnrich ernannt, dient als Premier-Lieutenant in der schlesischen Armee unter Feldmarschall Schwerin. Am 26. November 1752 erfolgt seine Beförderung zum Seconde-Lieutenant, 1754 wird er mit seiner Kompagnie zur Festung Schweidnitz abkommandiert. Bei Prag am 6. Mai 1756 verwundet, kämpft er am 5. November 1557 in der Schlacht bei Rossbach.

Im 7-jährigen Krieg wird er 1758 dem berühmten „Freibataillon” des Generals Johann von Mayr zugeteilt, wo er zum Adjudanten und 1. Offizier im Stabe avanciert. Dieses Freikorps wird nicht regulär an der Front eingesetzt, sondern muß im Auftrage des Königs kriegerische Sonderaufgaben erfüllen wie handstreichartige Überfälle in die Flanken des Gegners, Abschneiden des Rückzugs und Verfolgung des Feindes nach gewonnener Schlacht. Eine Einheit, der nur ausgezeichnete Offiziere angehören. Steubens Draufgängertum und Kampfbereitschaft machen alsbald auch Friedrich den Großen auf ihn aufmerksam.

Nach 1762 ernennt ihn Friedrich der Große zu einem seiner Adjudanten, beruft ihn in seine „Spezialklasse der Kriegskunst", die aus 13 ausgewählten und besonders verdienten Offizieren besteht und vom König höchstpersönlich unterrichtet wird.

Dem unaufhaltsam scheinenden Aufstieg folgt jedoch im Herbst 1763 der tiefe Sturz. Eine Auseinandersetzung mit seinem unmittelbaren Vorgesetzten, dem als intrigant und brutal verrufenen Generaladjudanten Heinrich Wilhelm von Anhalt, beendet seine bis dahin glänzende militärische Karriere. Um ihn loszuwerden, überträgt er Steuben die rangniedere Position eines einfachen Kompaniechefs im Regiment von Salmuth in der Garnison Wesel (Rheinland) - weit entfernt vom königlichen Machtzentrum. Eine Versetzung, die der ehrgeizige Stabs-Capitain als Ehrverletzung und Herabwürdigung seiner militärischen Qualifikation empfindet. Gekränkt und verbittert verweigert Steuben den Dienstantritt, beantragt seine Entlassung aus der preußischen Armee.

Für den 33-jährigen Offizier beginnt die schwerste Zeit seines Lebens. Sein Entlassungsgeld kommt einem Almosen gleich, der Wechsel in einen bürgerlichen Beruf ist praktisch unmöglich: Als Aristokrat kann er weder Handel betreiben noch ein Handwerk erlernen. Eine Zeitlang ist er auf die Unterstützung seines Freundes Prinz Heinrich von Preußen angewiesen.

Durch Vermittlung des französischen Literaten und Geheimagenten Beaumarchais in Paris bekommt Steuben 1777 Kontakt zum französischen Kriegsminister Graf Saint Germain und dem amerikanischen Gesandten Benjamin Franklin. Die Begegnung wird zum Wendepunkt seines Lebens. Zum erstenmal hört er vom nordamerikanischen Unabhängigkeitskrieg, 13 britische Kolonien sind dort in den Kampf gegen das englische Mutterland getreten. Fast fünfzigjährig wagt er den Schritt in eine neue Zukunft, verbindet sein Schicksal mit dem der aufständischen Kolonien.

Als Steuben am 23. Februar 1778 im amerikanischen Hauptquartier Valley Forge eintrifft, ist es um die Armee schlecht bestellt. Die Soldaten hungern und frieren, werden von den pazifistisch eingestellten Quäkern verspottet. Von ursprünglich 11.000 Mann sind in den Wintermonaten über 3.500 desertiert, 1.500 weitere wegen der besseren Versorgung zu den Engländern übergelaufen. Von den verbleibenden 5.012 Mann sind 3.989 wegen Krankheit, Schwäche oder mangelnder Bekleidung nicht mehr einsatzfähig.

Trotz ihrer desolaten Lage sind die zerlumpten und geschwächten Soldaten hochmotiviert. Es fehlte ihnen jedoch die Einheitlichkeit in der Ausbildung, in der Ausrüstung und bei der Aufstellung der Einheiten. Steubens Lagebeurteilung, seine militärische Qualifikation, vor allem aber seine 22-jährigen Erfahrungen im preußischen Heeresdienst überzeugen auch George Washington, gilt doch die preußische Armee in Bezug auf Präzision, Sicherheit und Schnelligkeit bei der Ausübung der Exerzierregeln im 18. Jahrhundert als unerreicht.

Steuben geht mit Feuereifer ans Werk. Er schafft den organisatorischen Rahmen für die Armee, sorgt für Ernährung und Bekleidung, überwacht die Ausrüstung der Regimenter, schafft einheitliche Exerzier- und Dienstreglements, führt höchstpersönlich die taktische Ausbildung durch. Am 19. März 1778 stellt er aus den besten Soldaten eine Musterkompanie von 120 Mann zusammen. Sie sollten unter seiner Anleitung das Gelernte auf die gesamte Armee übertragen.

1778 erarbeitet er die „Regulations for the Order an Discipline of the Troops of the United States”, das sogenannte „Blaue Buch”. Es legt einen Ausbildungsplan fest, gestaffelt nach Exerzierübungen.

Die Arbeit Steubens zahlt sich erstmals 1778 in der Schlacht von Monmouth aus.
Auf britischer Seite steht den Amerikanern General Clinton gegenüber. Als die Schlacht durch Fehler des amerikanischen Generals Charles Lee verloren scheint, ist es Steuben zu verdanken, daß die Armee sich wieder formiert und in muster- gültiger Ordnung und Disziplin erneut in den Kampf marschiert. Mit diesem Erfolg bewährt sich Steuben wiederholt auch als Führungsoffizier und selbstständiger Truppenkommandeur. Zwei Jahre später wird er von Washington zum General- Quartiermeister in Virginia berufen. 1781 befehligt er vor Yorktown/Virginia eine der drei Angriffsdivisionen. Die Belagerung und die Schlacht bei Yorktown tragen maßgeblich zum Sieg über die britischen Truppen bei. Am 19. Oktober 1781 erfolgt die Kapitulation, fast siebeneinhalbtausend Mann der regulären britischen Armee ziehen in die Gefangenschaft. Im März 1784 reicht Steuben dem Kongreß sein Abschiedgesuch ein, das am 15. April angenommen wird. Das „Blaue Buch” wird auf Anordnung des Kongresses vom 29. März 1779 als offizielle Richtlinie für die amerikanische Armee bestimmt.

Die Stadt New York ernannte von Steuben 1784 zum Ehrenbürger, der Staat New York schenkte ihm 1786 ausgedehnte Ländereien.

Seit 1936 wird in New-York alljährlichen die Steuben-Parade gefeiert, die an den großen preußischen Offizier erinnert.